Liebe Sammlerfreunde des Historismussteinzeuges,

auf dieser Seite möchte ich Ihnen das Steinzeug des Historismus mit dem Schwerpunkt Reinhold Hanke vorstellen.

Bereits vor einigen Jahren wurden bedeutende Sammlungen zu diesem Thema im Keramikmuseum Westerwald in Höhr-Grenzhausen(1986) sowie im Heimatmuseum Hillscheid (1997) gezeigt.

Steinzeug des Historismus wurde bis auf wenige Ausnahmen in der Kannenbäckerstadt Höhr-Grenzhausen  aber auch im näheren Umkreis  hergestellt

Einer der ersten und qualitativ besten Hersteller von Steinzeug im Stil des Historismus war der aus Böhmen  1864 eingewanderte Modelleur Reinhold Hanke. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde hier nur zu dieser Zeit traditonelles grau-blaues Steinzeug hergestellt. Eine Ausnahme war die Herstellung sogenannter gepresster Kännchen, d.h. Bierkrüge die durch pressen oder schlagen in einer Metallform hergestellt wurden.

Briefkopf Fa. Reinhold Hanke

Reinhold Hanke produzierte Anfangs im Jahre 1864 als Modelleur Figuren und Gegenstände aus Siderolith, zuerst in der Firma Knödgen, Maxein & Comp., 1868 gründete er seine erste eigene Firma in Höhr Grenzhausen mit einem Teilhaber : Hanke & Speiser.

Bereits 1869 stellte er bedeutende  Krüge und Geschirr im altdeutschen Stil für die Einrichtung  der über unsere Grenzen bekannten Burg Eltz her, 1873 wurde er von der Nassauischen Regierung zur Weltausstellung nach Wien geschickt.

Rechnung Fa. Reinhold Hanke

1876 wurde die Firma Reinhold Hanke nach einem Besuch der Kaiserin Augusta zum Hoflieferanten ernannt. Man kann sagen, Reinhold Hanke war der Erfinder des grau -blauen Steinzeuges im Stil des Historismus. In einem Brief der Tochter Reinhold Hankes, klagt diese,  das ihrem Vater immer wieder Modelle und Formen gestohlen (von anderen Firmen kopiert) werden.

Bis zu seinem Tod 1886 hatte Hanke ein umfangreiches qualitativ Hochwertiges Lieferangebot zusammengestellt das er in einigen Katalogen präsentierte, er war auf einigen Austellungen und sowie Weltausstellungen vertreten

Ausschnitt des Briefkopfes Reinhold Hanke

In seiner Firma wurden einige Hochkarätige Modelleure und Kaufmänner ausgebildet, wie z. B. Peter Dümler und Josef Breiden die späteren Gründer der Firma Dümler & Breiden in Höhr Grenzhausen.

Auch in der Nähe von  Regensburg wurde Steinzeug ähnlich dem des Westerwälder hergestellt oder "veredelt". Die Ähnlichkeit der Auflagen und Formen lässt den Schluss zu, das Hanke in irgendeiner Form hier beteiligt war, oder ggf. Schützenhilfe geleistet hat. Zwei Krüge der in einem bekannten Buch Regensburger Steinzeug (Mod. Nr 200) zugesprochen wird, wurde 2008 in der Töpferstadt Höhr-Grenzhausen gefunden. Bei den im Regensburger Museum befindlichen Krügen die bei ihrem Material mit einem Fragezeichen versehen sind, handelt es sich m.E. nach um zwar gebrannte aber nicht glasierte Krüge. Diese Art der Herstellung wurde für eine spätere Dekoration oder Brand genutzt, d.h. der Krug wurde zum Zweck des Transportes gebrannt um eine Beschädigung zu vermeiden und später dann z. B. in Regensburg dekoriert. Es gibt einige Hinweise in dem Hanke "rohe" Ware versendet hat, so z. B. nach Eisenach.

sog. "Regensburger Steinzeug"

Zu diesem Thema besteht noch reger Forschungsbedarf der sich wohl anhand der Beliebtheit des Historismussteinzeuges und vielleicht mit Hilfe dieser Homepage in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten fortsetzen wird.

mfg

Ronald Kaffiné

Heimatmuseum Hillscheid

Kulturwart des Westerwald- Verein, Zweigverein Hillscheid

 

kleine Werbevase um 1890, Simon Peter Gerz Nr. 056

 

 Teller Fa. Reinhold Hanke um 1870/80